Pressemitteilung - Düsseldorf

Wohnungskrise in Düsseldorf spitzt sich zu.

Das Bündnis „Wir wollen wohnen!“ fordert eine soziale Wohnungspolitik in den Kommunen.

 

Bezahlbares Wohnen ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit, auch in Düsseldorf. Doch die Mieten steigen, Sozialwohnungen verschwinden, und Menschen mit geringem Einkommen werden verdrängt. Seit 2021 sind die Angebotsmieten in Düsseldorf um 24 Prozent gestiegen, wie Zahlen der Empirica Preisdatenbank zeigen. Zudem liegt die Leerstandsquote mit 1,59 Prozent unter den von Fachleuten empfohlenen 3 Prozent, was auf einen angespannten Wohnungsmarkt hindeutet. Dass sich die Lage ohne entschlossenes politisches Handeln weiter verschärfen wird, zeigt eine Studie der NRW-Bank. Hiernach fallen bis 2030 47 Prozent der Sozialwohnungen in Düsseldorf aus der Preisbindung und können dann zu Marktpreisen vermietet werden.

„Das Thema Wohnen gehört ganz oben auf die kommunalpolitische Agenda“, betont Hans-Jochem Witzke, Sprecher des Bündnisses „Wir wollen wohnen“ und 1. Vorsitzender des Mieterverein Düsseldorf. „Wer zur Kommunalwahl antritt, muss sagen, wie er oder sie bezahlbares Wohnen sichern will und kann nicht nur auf Bund und Land verweisen. Alle politischen Ebenen können und müssen ihren Beitrag für bezahlbares Wohnen leisten.“

Zwar sind Bund und Länder für das Mietrecht und die Finanzierung der sozialen Wohnraumförderung verantwortlich, doch auch die Kommune verfügt über Instrumente eine soziale Wohnungspolitik zu stärken.

„Eine wichtige Stellschraube für eine soziale kommunale Wohnungspolitik in Düsseldorf ist die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWD). Der öffentliche Wohnungsbau muss ausgeweitet werden und soll allein der Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum dienen. Zudem kann die Kommune bei Neubauprojekten Vorgaben zum Anteil von Sozialwohnungen machen. Die bestehenden Quoten müssen noch weiter angehoben werden, da in den kommenden Jahren viele Sozialwohnungen aus der Preisbindung fallen“, so Witzke.

„Ziel kommunaler Wohnungspolitik muss eine barrierefreie Quartiersentwicklung sein. So können Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder Sinnesbehinderungen lange in der eigenen Wohnung und im vertrauten Wohnumfeld leben,“ fordert Pater Wolfgang Sieffert von der Altstadt-Armenküche.

„Zu uns kommen immer mehr Menschen, die mit ihren Wohnkosten überfordert sind. Wir brauchen die Stärkung der Fachberatung zur Vermeidung und zum Abbau von Wohnungslosigkeit. Der Verlust der Wohnung ist für die Betroffenen eine Katastrophe. Präventiv Wohnungsverluste zu vermeiden, ist daher erstes Mittel der Wahl. Falls es nicht möglich ist, schnell eine neue Wohnung zu beschaffen braucht es ein strukturiertes Angebot bei uns in Düsseldorf. Die Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“ bietet beides erfolgreich. Wir sehen den nächsten Stadtrat in der Pflicht, das Angebot nachhaltig im kommunalen Haushalt zu verankern. Falls das nicht gelingt, fällt dieses Angebot ersatzlos weg. Eine Lücke, die von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen direkt trifft“, erläutert Pater Wolfgang Sieffert.

„Durch die hohen Wohnkosten haben Beschäftigte Probleme eine bezahlbare Wohnung in der Nähe ihrer Arbeitsstelle zu finden. Das führt zu erhöhtem Verkehrsaufkommen und Unternehmen haben Schwierigkeiten, Fachkräfte anzuwerben. Eine soziale Wohnungspolitik entlastet die Verkehrsinfrastruktur und ist Teil kommunaler Wirtschaftsförderung. Diese Zusammenhänge müssen bei kommunalen Investitionsentscheidungen mitgedacht werden,“ betont Sigrid Wolf, Regions-geschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes NRW. „Wer eine Ausbildung beginnt, kann sich kaum eigenen Wohnraum leisten. Die Folge der hohen Mietpreise ist, das junge Menschen vor der Aufnahme einer Ausbildung oder eines Studiums in Düsseldorf zurückschrecken, wenn sie keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Gerade in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels können wir uns solche Zustände nicht leisten!“

Um die Dringlichkeit einer sozialen kommunalen Wohnungspolitik zu betonen, werden wir das Thema auf die Straße bringen und laden Sie zu unserer Aktion am Samstag, den 30.08.2025 um 11:00 Uhr auf den Corneliusplatz ein. 

Hintergrund:

Die Mietsteigerungen beziehen sich auf die Angebotsmieten. Sie sind ein Indikator für die Preisdynamik des Mietwohnungsmarktes und spiegeln die aktuelle Marktlage wider. Stark steigende Angebotsmieten erschweren Umzüge und Mobilität; sie führen dazu, dass Menschen weite Pendelwege zur Arbeit zurücklegen und / oder in Wohnungen bleiben, die nicht zu ihrer Lebenssituation passen.

Mit Leerstand ist hier der marktaktive Leerstand gemeint. Das bedeutet, dass diese Wohnungen innerhalb von drei Monaten bezugsfertig sind. Eine Leerstandsquote von etwa 3 Prozent wird als Indikator eines „gesunden Wohnungsmarktes“ gesehen. Schon geringe Abweichungen nach unten erhöhen den Konkurrenzdruck bei der Wohnungssuche. Besonders für Menschen mit wenig Einkommen oder ohne festen Wohnsitz verschärft das die Situation erheblich. Die Zahlen sind den neuesten Zensusdaten von 2022 entnommen.

Die Angaben zum Sozialwohnungsbestand beziehen sich auf den Zeitraum von 2024 bis 2030 und stammen von der NRW-Bank. In vielen Fällen werden weniger Sozialwohnungen gebaut als aus der Bindung fallen, weswegen der Bestand weiter abnimmt.

 

Pressekontakt

Hans-Jochem Witzke, Mieterverein Düsseldorf e.V.
0173 5384431 I E-Mail:  witzke@mieterverein-duesseldorf.de 

Wolfgang Sieffert OP, Altstadt-Armenküche
0211 1584 5224 I E-Mail: sieffert@gmx.de 

Sigrid Wolf, Deutscher Gewerkschaftsbund NRW
0171 8658333 I E-Mail: sigrid.wolf@dgb.de 

 

Das NRW-Aktionsbündnis „Wir wollen wohnen!“ ist ein Zusammenschluss bestehend aus Deutscher Mieterbund NRW e.V., Deutscher Gewerkschaftsbund NRW, Paritätischer Wohlfahrtsverband NRW e.V., Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeiterwohlfahrt NRW, Caritas in NRW, Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V., Sozialverband Deutschland NRW e.V., Sozialverband VdK NRW e.V. Wir setzen uns ein für den Erhalt und den Ausbau des Mieterschutzes in NRW und für die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum.


Pressekontakt

Hans-Jochem Witzke
1.Vorsitzender
Telefon: 0173 5384431
E-Mail: witzke@mieterverein-duesseldorf.de

Claus Nesemann
Geschäftsführer
Telefon: 0211/ 16 99 6-50
E-Mail: nesemann@mieterverein-duesseldorf.de